Amtlicher Text / Bewertungsmaßstab
Teil B Nr. 18.14 VersMedV – Schäden der unteren Gliedmaßen
Beinverlust / Beinverkürzung
| Befund / Ausprägung | GdS/GdB |
|---|---|
| Verlust beider Beine im Oberschenkel | 100 |
| ein Bein im Oberschenkel und eines im Unterschenkel | 100 |
| Bein im Hüftgelenk / sehr kurzer Oberschenkelstumpf | 80 |
| Bein im Oberschenkel | 70 |
| Bein im Unterschenkel bei genügender Stumpf-/Gelenkfunktion | 50 |
| bei ungenügender Funktion | 60 |
| beide Beine im Unterschenkel | 80–100 je nach Stumpfverhältnissen |
| Beinverkürzung bis 2,5 cm | 0 |
| über 2,5 bis 4 cm | 10 |
| über 4 bis 6 cm | 20 |
| über 6 cm | mindestens 30 |
Hüfte
| Befund / Ausprägung | GdS/GdB |
|---|---|
| Versteifung eines Hüftgelenks günstig | 40 |
| ungünstig | 50–60 |
| Bewegungseinschränkung gering – einseitig / beidseitig | 10–20 / 20–30 |
| mittelgradig – einseitig / beidseitig | 30 / 50 |
| stärker – einseitig / beidseitig | 40 / 60–100 |
| Hüftgelenksresektion | 50–80 |
Knie
| Befund / Ausprägung | GdS/GdB |
|---|---|
| Versteifung eines Knies günstig / ungünstig | 30 / 40–60 |
| Bandlockerung muskulär kompensierbar | 10 |
| unvollständig kompensierbar mit Gangunsicherheit | 20 |
| Stützapparat je nach Achsenfehlstellung | 30–50 |
| Bewegungseinschränkung gering – einseitig / beidseitig | 0–10 / 10–20 |
| mittelgradig – einseitig / beidseitig | 20 / 40 |
| stärker – einseitig / beidseitig | 30 / 50 |
| ausgeprägter Knorpelschaden mit anhaltenden Reizerscheinungen, einseitig ohne Bewegungseinschränkung | 10–30 |
| mit Bewegungseinschränkung | 20–40 |
Sprunggelenk / Fuß
| Befund / Ausprägung | GdS/GdB |
|---|---|
| oberes Sprunggelenk versteift günstig | 20 |
| unteres Sprunggelenk versteift günstig | 10 |
| oberes + unteres versteift günstig / ungünstig | 30 / 40 |
| Bewegungseinschränkung oberes Sprunggelenk gering / mittel / stark | 0 / 10 / 20 |
| unteres Sprunggelenk Bewegungseinschränkung | 0–10 |
| Klumpfuß einseitig / beidseitig | 20–40 / 30–60 |
| andere Fußdeformitäten ohne wesentliche statische Auswirkungen | 0 |
| mit statischer Auswirkung gering / stark | 10 / 20 |
| Hallux-/Großzehenversteifung günstig / ungünstig | 0–10 / 20 |
Quelle: Anlage zu § 2 VersMedV, Teil B Nr. 18.14. Darstellung entsprechend dem vorhandenen Kapitelbestand; redaktionelle Erläuterungen folgen getrennt.

Kommentar zu Teil B Nr. 18.14 VersMedV
Die Kommentarnavigation führt ausschließlich zu den auf dieser Seite erläuterten Bewertungsaspekten.
Hüfte
Bewegungsmaße, Stellung und zusätzliche Schmerz- oder Reizerscheinungen sind gemeinsam zu würdigen.
Knie
Bei Knorpelschäden sind Bewegungseinschränkung, Belastungsschmerz, Reizerscheinungen und Verlauf gemeinsam zu beurteilen.
Sprunggelenk und Fuß
Statische Auswirkungen, Beweglichkeit und Belastbarkeit bestimmen die Bewertung; eine Diagnose allein genügt nicht.
Anhaltende Reizerscheinungen
Wiederkehrende Schwellungen, Überwärmung, Ergüsse und auch eine Baker-Zyste können im Verlauf objektive Indizien für anhaltende Reizerscheinungen sein.
Rechtsprechung
| Gericht / Datum | Aktenzeichen | Kernaussage |
|---|---|---|
| Landessozialgericht Baden-Württemberg 3. Senat 18.12.2024 | L 3 SB 139/23 | „Anhaltende Reizerscheinungen“ bei ausgeprägten Knorpelschäden sind nicht auf einen einzelnen Untersuchungstag zu reduzieren. Maßgeblich sind längerfristige oder ständig wiederkehrende Kapselschwellungen und Schmerzen sowie sichtbare Überwärmungen oder Ergüsse. Auch eine Baker-Zyste kann Ausdruck einer anhaltenden Reizerscheinung sein. |
| Landessozialgericht Berlin-Brandenburg 11. Senat 29.01.2020 | L 11 SB 257/17 | Bei ausgeprägten Knorpelschäden ist eine Gesamtbetrachtung erforderlich. Auch wenn die ausdrücklich genannten Tabellenmerkmale nicht vollständig vorliegen, können Belastungsschmerz, Verlauf und funktionelle Auswirkungen eine Bewertung im vorgesehenen Rahmen rechtfertigen. |
| Landessozialgericht Berlin-Brandenburg 13. Senat 18.08.2011 | L 13 SB 161/10 | Bei beidseitigen Kniegelenksschäden mit nur geringgradiger Bewegungseinschränkung und ausgeprägten, aber nicht von Reizerscheinungen begleiteten Knorpelschäden ist GdB 20 angemessen. Übliche Schmerzen rechtfertigen keine zusätzliche Erhöhung. |
| Landessozialgericht Baden-Württemberg 3. Senat 29.10.2014 | L 3 SB 3881/13 | Bei Gelenkschäden sind Bewegungsmaße und zusätzliche Schmerz- bzw. Belastungsfolgen gemeinsam zu würdigen. Für das betroffene Sprunggelenk hielt der Senat unter Einbeziehung erheblicher Schmerzen GdB 20 für gerechtfertigt. |
| Landessozialgericht Baden-Württemberg 6. Senat 05.10.2023 | L 6 SB 1577/23 | Eine einseitige Knie-Totalendoprothese führt nach Nr. 18.12 bei bestmöglichem Ergebnis zum Mindest-GdB 20. Auch bei nicht optimaler Versorgungsqualität rechtfertigen konkrete Befunde wie eine Beweglichkeit von 0-0-110° ohne Lockerungszeichen nicht ohne Weiteres sehr hohe Werte; im Fall hielt der Senat jedenfalls einen höheren Teil-GdB als 30 nicht für gerechtfertigt. |
| Schleswig-Holsteinisches Landessozialgericht 2. Senat 22.08.2025 | L 2 SB 8/24 | Nach Implantation einer Knie-Totalendoprothese gilt mindestens GdB 20 bei bestmöglichem Ergebnis. Ein höherer Wert verlangt konkrete dauerhafte Defizite der Versorgungsqualität; übliche prothesenbedingte Beschränkungen sind im Mindestwert enthalten. |
| Landessozialgericht Berlin-Brandenburg 11. Senat 23.06.2011 | L 11 SB 298/08 | Nicht der bildgebende oder diagnostische Befund, sondern die tatsächlich feststellbare Funktionsbehinderung ist für den GdB maßgebend. Bei reduzierter Belastbarkeit beider Hände mit geringer Einschränkung von Greiffunktion und Feinmotorik wurde ein Einzel-GdB 20 zugrunde gelegt; Knie- und Fußbefunde wurden nach ihren funktionellen Folgen bewertet. |
| Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen 08.04.2003 | L 9 SB 55/01 | Ein Hallux valgus ohne wesentliche Funktionsstörungen rechtfertigt lediglich GdB 10. Für Wirbelsäulenschäden mit mittelgradigen Auswirkungen in zwei Abschnitten hielt der Senat einen Teil-GdB im Bereich 30 bis 40 für ausreichend; höhere Werte verlangen ein deutlich schwereres Funktionsbild. |
| Landessozialgericht Baden-Württemberg 8. Senat 26.06.2026 | L 8 SB 1669/26 | Aktuelle Entscheidung zur unmittelbaren Anwendung der Bewegungsmaß-Schwellen bei Wirbelsäule, Schulter, Hüfte und Knie. Maßgeblich ist, ob die gemessenen Funktionswerte die in den VMG beschriebenen Vergleichsgrade tatsächlich erreichen. |
| Bundessozialgericht 07.04.2011 | B 9 SB 47/10 B | Bei wechselhaften Beschwerden kann die Sachaufklärung nicht allein auf den Untersuchungsbefund an einem einzelnen Tag verengt werden. Für Verlauf und Alltagsauswirkungen können auch anamnestische Angaben und weitere Beweismittel Bedeutung gewinnen. |
Beinverlust und Beinverkürzung
Bei Amputationen und Verkürzungen sind Stumpfverhältnisse, Gelenkfunktion und die konkrete Gebrauchsfähigkeit zu berücksichtigen.