Versorgungsmedizinische Grundsätze

GdB-Tabelle nach der Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV)


Versorgungsmedizinische Grundsätze GdB-Tabelle

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18.14 Schäden der unteren Gliedmaßen

Teil B Nr. 18.14 VersMedV · Rechtsstand 20.09.2026

Amtlicher Text / Bewertungsmaßstab

Teil B Nr. 18.14 VersMedV – Schäden der unteren Gliedmaßen

Beinverlust / Beinverkürzung

Befund / Ausprägung GdS/GdB
Verlust beider Beine im Oberschenkel 100
ein Bein im Oberschenkel und eines im Unterschenkel 100
Bein im Hüftgelenk / sehr kurzer Oberschenkelstumpf 80
Bein im Oberschenkel 70
Bein im Unterschenkel bei genügender Stumpf-/Gelenkfunktion 50
bei ungenügender Funktion 60
beide Beine im Unterschenkel 80–100 je nach Stumpfverhältnissen
Beinverkürzung bis 2,5 cm 0
über 2,5 bis 4 cm 10
über 4 bis 6 cm 20
über 6 cm mindestens 30

Hüfte

Befund / Ausprägung GdS/GdB
Versteifung eines Hüftgelenks günstig 40
ungünstig 50–60
Bewegungseinschränkung gering – einseitig / beidseitig 10–20 / 20–30
mittelgradig – einseitig / beidseitig 30 / 50
stärker – einseitig / beidseitig 40 / 60–100
Hüftgelenksresektion 50–80

Knie

Befund / Ausprägung GdS/GdB
Versteifung eines Knies günstig / ungünstig 30 / 40–60
Bandlockerung muskulär kompensierbar 10
unvollständig kompensierbar mit Gangunsicherheit 20
Stützapparat je nach Achsenfehlstellung 30–50
Bewegungseinschränkung gering – einseitig / beidseitig 0–10 / 10–20
mittelgradig – einseitig / beidseitig 20 / 40
stärker – einseitig / beidseitig 30 / 50
ausgeprägter Knorpelschaden mit anhaltenden Reizerscheinungen, einseitig ohne Bewegungseinschränkung 10–30
mit Bewegungseinschränkung 20–40

Sprunggelenk / Fuß

Befund / Ausprägung GdS/GdB
oberes Sprunggelenk versteift günstig 20
unteres Sprunggelenk versteift günstig 10
oberes + unteres versteift günstig / ungünstig 30 / 40
Bewegungseinschränkung oberes Sprunggelenk gering / mittel / stark 0 / 10 / 20
unteres Sprunggelenk Bewegungseinschränkung 0–10
Klumpfuß einseitig / beidseitig 20–40 / 30–60
andere Fußdeformitäten ohne wesentliche statische Auswirkungen 0
mit statischer Auswirkung gering / stark 10 / 20
Hallux-/Großzehenversteifung günstig / ungünstig 0–10 / 20
Quelle: Anlage zu § 2 VersMedV, Teil B Nr. 18.14. Darstellung entsprechend dem vorhandenen Kapitelbestand; redaktionelle Erläuterungen folgen getrennt.
Versorgungsmedizinische Grundsätze – Kommentar
Kommentar

Kommentar zu Teil B Nr. 18.14 VersMedV

Die Kommentarnavigation führt ausschließlich zu den auf dieser Seite erläuterten Bewertungsaspekten.

Beinverlust und Beinverkürzung

Bei Amputationen und Verkürzungen sind Stumpfverhältnisse, Gelenkfunktion und die konkrete Gebrauchsfähigkeit zu berücksichtigen.

Hüfte

Bewegungsmaße, Stellung und zusätzliche Schmerz- oder Reizerscheinungen sind gemeinsam zu würdigen.

Knie

Bei Knorpelschäden sind Bewegungseinschränkung, Belastungsschmerz, Reizerscheinungen und Verlauf gemeinsam zu beurteilen.

Sprunggelenk und Fuß

Statische Auswirkungen, Beweglichkeit und Belastbarkeit bestimmen die Bewertung; eine Diagnose allein genügt nicht.

Anhaltende Reizerscheinungen

Wiederkehrende Schwellungen, Überwärmung, Ergüsse und auch eine Baker-Zyste können im Verlauf objektive Indizien für anhaltende Reizerscheinungen sein.

Rechtsprechung

Gericht / DatumAktenzeichenKernaussage
Landessozialgericht Baden-Württemberg 3. Senat
18.12.2024
L 3 SB 139/23„Anhaltende Reizerscheinungen“ bei ausgeprägten Knorpelschäden sind nicht auf einen einzelnen Untersuchungstag zu reduzieren. Maßgeblich sind längerfristige oder ständig wiederkehrende Kapselschwellungen und Schmerzen sowie sichtbare Überwärmungen oder Ergüsse. Auch eine Baker-Zyste kann Ausdruck einer anhaltenden Reizerscheinung sein.
Landessozialgericht Berlin-Brandenburg 11. Senat
29.01.2020
L 11 SB 257/17Bei ausgeprägten Knorpelschäden ist eine Gesamtbetrachtung erforderlich. Auch wenn die ausdrücklich genannten Tabellenmerkmale nicht vollständig vorliegen, können Belastungsschmerz, Verlauf und funktionelle Auswirkungen eine Bewertung im vorgesehenen Rahmen rechtfertigen.
Landessozialgericht Berlin-Brandenburg 13. Senat
18.08.2011
L 13 SB 161/10Bei beidseitigen Kniegelenksschäden mit nur geringgradiger Bewegungseinschränkung und ausgeprägten, aber nicht von Reizerscheinungen begleiteten Knorpelschäden ist GdB 20 angemessen. Übliche Schmerzen rechtfertigen keine zusätzliche Erhöhung.
Landessozialgericht Baden-Württemberg 3. Senat
29.10.2014
L 3 SB 3881/13Bei Gelenkschäden sind Bewegungsmaße und zusätzliche Schmerz- bzw. Belastungsfolgen gemeinsam zu würdigen. Für das betroffene Sprunggelenk hielt der Senat unter Einbeziehung erheblicher Schmerzen GdB 20 für gerechtfertigt.
Landessozialgericht Baden-Württemberg 6. Senat
05.10.2023
L 6 SB 1577/23Eine einseitige Knie-Totalendoprothese führt nach Nr. 18.12 bei bestmöglichem Ergebnis zum Mindest-GdB 20. Auch bei nicht optimaler Versorgungsqualität rechtfertigen konkrete Befunde wie eine Beweglichkeit von 0-0-110° ohne Lockerungszeichen nicht ohne Weiteres sehr hohe Werte; im Fall hielt der Senat jedenfalls einen höheren Teil-GdB als 30 nicht für gerechtfertigt.
Schleswig-Holsteinisches Landessozialgericht 2. Senat
22.08.2025
L 2 SB 8/24Nach Implantation einer Knie-Totalendoprothese gilt mindestens GdB 20 bei bestmöglichem Ergebnis. Ein höherer Wert verlangt konkrete dauerhafte Defizite der Versorgungsqualität; übliche prothesenbedingte Beschränkungen sind im Mindestwert enthalten.
Landessozialgericht Berlin-Brandenburg 11. Senat
23.06.2011
L 11 SB 298/08Nicht der bildgebende oder diagnostische Befund, sondern die tatsächlich feststellbare Funktionsbehinderung ist für den GdB maßgebend. Bei reduzierter Belastbarkeit beider Hände mit geringer Einschränkung von Greiffunktion und Feinmotorik wurde ein Einzel-GdB 20 zugrunde gelegt; Knie- und Fußbefunde wurden nach ihren funktionellen Folgen bewertet.
Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen
08.04.2003
L 9 SB 55/01Ein Hallux valgus ohne wesentliche Funktionsstörungen rechtfertigt lediglich GdB 10. Für Wirbelsäulenschäden mit mittelgradigen Auswirkungen in zwei Abschnitten hielt der Senat einen Teil-GdB im Bereich 30 bis 40 für ausreichend; höhere Werte verlangen ein deutlich schwereres Funktionsbild.
Landessozialgericht Baden-Württemberg 8. Senat
26.06.2026
L 8 SB 1669/26Aktuelle Entscheidung zur unmittelbaren Anwendung der Bewegungsmaß-Schwellen bei Wirbelsäule, Schulter, Hüfte und Knie. Maßgeblich ist, ob die gemessenen Funktionswerte die in den VMG beschriebenen Vergleichsgrade tatsächlich erreichen.
Bundessozialgericht
07.04.2011
B 9 SB 47/10 BBei wechselhaften Beschwerden kann die Sachaufklärung nicht allein auf den Untersuchungsbefund an einem einzelnen Tag verengt werden. Für Verlauf und Alltagsauswirkungen können auch anamnestische Angaben und weitere Beweismittel Bedeutung gewinnen.