Beiratsbeschlüsse zu soziale Anpassungsschwierigkeiten
November 2000
Gutachtliche Beurteilung bei sozialen Anpassungsschwierigkeiten
Zu den in einem Bundesland aufgetretenen Problemen bei der Interpretation des Begriffs „soziale Anpassungsschwierigkeiten“ bei Neurosen, Persönlichkeitsstörungen und Folgen psychischer Traumen (Nr. 26.3, S. 60 der „Anhaltspunkte“) in Verbindung mit dem Beiratsbeschluss vom 18./19.03.1998 (TOP 1.3) Nr. 1.2 der Verf. vom 13.05.1998 wurde von den Anwesenden klargestellt: Soziale Anpassungsschwierigkeiten sind im Abschnitt „Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Folgen psychischer Traumen“ nur bei schweren Störungen ausdrücklich genannt. Zur differenzierenden Beurteilung dieser schweren Störungen ist maßgebend, ob dabei mittelgradige oder schwere soziale Anpassungsschwierigkeiten vorliegen. Für die Beurteilung solcher Anpassungsschwierigkeiten können die in TOP 1.3 der Niederschrift über die Sitzung am 18./19.03.1998 genannten Kriterien herangezogen werden. Da für geringergradige Störungen bei „Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Folgen psychischer Traumen“ eigene Beurteilungskriterien genannt sind, ist eine Analogbewertung mit den in TOP 1.3 am Beispiel des schizophrenen Residualzustandes genannten „leichten sozialen Anpassungsschwierigkeiten“ nicht erforderlich.Gutachtliche Beurteilung bei „multipler Persönlichkeitsstörung“
Auf eine entsprechende Frage wurde von den Beiratsmitgliedern klargestellt, dass die Bezeichnung „multiple Persönlichkeitsstörung“ nach ICD-10, F44.8 den sonstigen dissoziativen Störungen (Konversionsstörungen) zugeordnet ist. Für die GdB/MdEBeurteilung gelten die in Nummer 26.3 unter „Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Folgen psychischer Traumen“ und für die Kausalitätsbeurteilung die in Nrn. 70 und 71 der „Anhaltspunkte“ genannten Kriterien. Die Kausalitätsbeurteilung sollte nur durch erfahrene Gutachter erfolgen.-
März 1998
Abgrenzungskriterien für die gutachtliche Beurteilung sozialer Anpassungsschwierigkeiten
Von einem versorgungsärztlichen Dienst war angeregt worden, das Kriterium „soziale Anpassungsschwierigkeiten“, das bei einigen psychischen Störungen (z. B. schizophrene und affektive Psychosen, Neurosen, Persönlichkeitsstörungen und Folgen psychischer Traumen) zur Beurteilung des GdB/MdE-Grades von Bedeutung ist, näher zu definieren.
Am Beispiel des schizophrenen Residualzustandes wurden folgende Abgrenzungskriterien empfohlen:
leichte soziale Anpassungsschwierigkeiten
z. B. Berufstätigkeit trotz Kontaktschwäche und/oder Vitalitätseinbuße
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch ohne wesentliche
Beeinträchtigung möglich. (Wesentliche Beeinträchtigung
nur in besonderen Berufen, z. B. Lehrer, Manager). Keine
wesentliche Beeinträchtigung der familiären Situation oder bei
Freundschaften, d. h. z. B. keine krankheitsbedingten wesentlichen
Eheprobleme.
mittelgradige soziale Anpassungsschwierigkeiten
In den meisten Berufen sich auswirkende psychische Veränderung,
die zwar weitere Tätigkeit grundsätzlich noch erlaubt, jedoch
eine verminderte Einsatzfähigkeit bedingt, die auch eine
berufliche Gefährdung einschließt. Erhebliche familiäre Probleme
durch Kontaktverlust und affektive Nivellierung, aber noch
keine Isolierung, noch kein sozialer Rückzug in einem Umfang,
der z. B. eine vorher intakte Ehe stark gefährden könnte.
schwere soziale Anpassungsschwierigkeiten
Weitere berufliche Tätigkeit sehr stark gefährdet oder ausgeschlossen.
Schwerwiegende Probleme in der Familie oder im
Freundes- bzw. Bekanntenkreis, bis zur Trennung von der Familie,
vom Partner oder Bekanntenkreis.
